Die Geschichte einer Lindeallé

Wir gehen zurück auf die Jahre um 1750-52. An Kongens Nytorv zur Zeit von Frederik V. Es ist zur Zeit der Monarchie, und der Premierminister des Königs (der damalige Geheimsekretär) war Seelands größter Landbesitzer, Graf Otto Thott, der Eigentümer des Guts Gavnø und gleichzeitg des Thottske-Palast auf Kgs. Nytorv, dieser heute die französische Botschaft bildet. Hier lebte er, als er für den König arbeitete.

Eines Tages erzählte der König der Geheimsekretär: „Die Bäume um Nytorvet werden so groß, dass ich die Statue meines Großvaters Christian V auf dem Platz nicht mehr sehen kann. Sie wirken störend und ich möchte, dass sie entfernt werden. Wenn du die Bäume haben willst, kannst du sie nach Gavnø bringen und dort pflanzen.“

Jetzt gab es keinen Richter in Kopenhagen zu diesem Zeitpunkt, deshalb war die „Anhörungsphase“ recht kurz, woraufhin sich Otto Thott sofort bei der Majestät bedankte. Dann schickte er eine Reihe von Pferdekutschen in die Hauptstadt und grub die Lindenbäume aus. Die Hauptkarren hatten vier Pferde und konnten bis zu fünf Bäume ziehen. Die Reise dauerte mehrere Tage, da die Pferde natürlich  Pausen auf dem Weg brauchten und untergebracht werden mussten. Aber die Linden kamen gut nach Næstved und von dort weiter nach Gavnø, wo sie sofort als lange Allee am Rande des Parks gepflanzt wurden. Und dort stehen sie seitdem, und sie sind in den 260 Jahren, die jetzt vergangen sind, wirklich groß und schön geworden.

Eine wichtige Rolle

Der Lindenallee hat zweifellos immer eine wichtige Rolle im Park gespielt. Im Winter 1912 wurde am Ende der Allee ein Gedenkstein enthüllt. Der Grund dafür war, dass Lenzbaron Tage Reedz-Thott seit 50 Jahren der Besitzer der Baronie war. Bürger und Bauern aus ganz Südseeland sammelten Gelder und bezahlten einen schönen, hohen Marmorstein in Dankbarkeit für seine politischen Bemühungen und Leistungen als Außenminister in der linken Regierung von Estrup und später als Konseilpräsident.

Tage Reedz-Thott war gerührt und dankbar für diese Geste und lud im Sommer 1912 alle, die zum Gedenkstein beigetragen hatten, zum Essen und Feiern in die Lindenallee ein. 300-400 Personen nahmen an langen Tischen teil, die sich durch die Allee erstreckten. Das Essen wurde aus den Gasthöfen der Einheimischen geliefert, die 3-4 Küchenwagen entlang der Bäume hielten und Essen zubereiteten. Es gab viel Geschichten und Gesänge, und eines wurde in einem Brief gefunden, den eine Mutter nach der Feier  ihrem nach Amerika ausgewanderten Sohn schrieb. Die Allee war somit ein Rahmen für die Feier.

Das letzte große Ereignis in der Lindenallee war kurz davor, ihr ein Ende zu setzen. Es geht um den gruseligen und verheerenden Hurrikan, der im Oktober 1967 das ganze Land heimgesucht hat. (Lesen Sie die Beschreibung von Henrik Voldborg am 7. Oktober 2011 im SeptemberNet).

Fast die Hälfte der alten Bäume wurde am Abend des 17. Oktober 1967 durch den Hurrikan umgeworfen. Sie lagen wie umgestürzte Reisen im Park. Auf Gavnø war die Atmosphäre bedrückt und man glaubte sofort, dass die Allee ihr endgültiges Ende erreicht hatte. Aber Baron Axel Reedz-Thott, der nun Gavnø besaß, rief die Waldarbeiter und die Gärtner des Schlosses dazu auf, die Bäume zu retten. Sie sägten den oberen Teil der Bäume bis zum ersten Ast in ca. 5 m Höhe ab. Dann stellten sie Kräne und Seilwinde auf, womit die Stämme in den Wurzellöchern mühsam gesetzt wurden. Dann stampfte man fest auf den Boden und stellte Fässer auf die Stämme, um sie einige Jahre lang zu stützen. Dann wurde mitf Aufregung gewartet. Und das Unglaubliche: Die Bäume haben neue Triebe und Zweige gesetzt, und jetzt sind sie wieder auf voller Höhe. Sie überlebten fast alle – einige von ihnen stehen etwas schief, aber es sind immer noch die ursprünglichen Lindenbäume von Kongens Nytorv.

Die Natur ist wunderbar und die Geschichte lebt weiter!

 

Faktabox

„Seit 1960 besuche ich mit meiner Familie das Schloss Gavnø, vor allem im Frühjahr, um die große Tulpenausstellung im Park zu genießen.

Seit 1993 bin ich während der Sommermonate Schlossführer und habe daher erfahren, dass die alten Lindenallee, die die gesamte Nordachse des Parks bilden, eine ungewöhnliche und aufregende Geschichte haben.“

– Aksel Fløe, langjähriger Schlossführer auf Schloss Gavnø